Leben mit Behinderung - Leben in Vielfalt

Werdend Eltern sind erfüllt von der Sehnsucht nach einem gesunden Wunschkind, oft verbunden mit festen Vorstellungen von Gesundheit und Normalität. Zeichnen sich Abweichungen von diesem Ideal ab, stellen sich Gefühle und Frage ein, die oft nur schwer auszuhalten sind: Werde ich unser Kind austragen können? Wie wird unsere künftige Lebensplanung aussehen? Was bedeutet es für unser Familienleben mit einem Kind mit Behinderung bzw. mit Beeinträchtigung zu leben? Angst und Unsicherheit prägen Gedanken und Entscheidungen während der Schwangerschaft. Der Aspekt der  „Guten Hoffnung“ tritt in den Hintergrund.

Die individuelle Situation der Betroffenen wird oft verstärkt durch die Einstellung der Angehörigen und im Freundeskreis. Von entscheidender Bedeutung ist, wie die Gesellschaft insgesamt Behinderung wahrnimmt und wie sie mit Beeinträchtigungen umgeht. Vor diesem Hintergrund fürchten Frauen vor allem, durch ein Kind mit Behinderung soziale Bezüge und Lebensräume zu verlieren und in eine Dauerbelastung zu geraten, die die eigene Lebensplanung in Bezug auf Familie und Existenzsicherung in Frage stellt.

So löst die diagnostizierte Behinderung in der Regel einen existenziellen Konflikt aus. Die werdenden Eltern müssen von dem bisherigen „Wunschkind“ Abschied nehmen und sie fühlen sich überfordert und wissen nicht, wie sie ihr Leben mit einem Kind bewältigen sollen, das ein besonderes Maß an Pflege und Fürsorge braucht. Das Thema Behinderung mit all seinen Facetten wird so zu einem wichtigen Bestandteil nicht nur in den Gedanken der Betroffenen, sondern auch in den Beratungsgesprächen. Die Auseinandersetzung mit den Fakten und den damit verbundenen Ängsten und Unsicherheiten braucht Zeit, Raum und Verständnis und ein Gegenüber, das eine Sichtweise von außen ermöglicht.